Ausflug in geheimnisvolle Märchenwelt
Der
Musikverein Eschbach bot mit seinem Sommerkonzert den Besuchern einen
traumhaften Sommerabend.
|
|
Beim Sommerkonzert des MV Eschbach sorgte gar eine
leibhaftige Bauchtänzerin für die richtige orientalische Stimmung.
Foto: Hans Jürgen Kugler
STEGEN-ESCHBACH. Ein mit schweren Samtvorhängen verhüllter Eingang führt in
eine geheimnisvolle Märchenwelt. Exotische Gerüche nach Weihrauch und Myrrhe
ziehen durch die laue Sommernacht, goldene Sterne funkeln über den Türmen eines
orientalischen Palastes. Der Boden ist mit roten Perserteppichen ausgelegt,
Haremskissen laden zum Verweilen ein, einige Shishas
stehen auch bereit, für eine entspannte Atmosphäre zu sorgen.
Der Musikverein Eschbach hat für sein Sommerkonzert den ohnehin schon
zauberhaften Innenhof der St.-Jakobus-Pfarrei mit großem Aufwand und viel Liebe
zum Detail (Deko: Melanie Gremmelsbacher)
in einen Sultanspalast wie aus Tausendundeiner Nacht
verwandelt. Der kleine Muck hat für diesen Abend sogar seine Zauberschuhe
spendiert und Aladdin eine riesige Wunderlampe, die über der Bühne schwebte.
Moderator Jan Sauerland erzählt dem Publikum die Geschichte von König Schahriyâ, der durch die Untreue seiner Gattin so in Rage
geriet, dass er befahl, ihm fortan jede Nacht eine Jungfrau zuzuführen, die er
am nächsten Morgen töten lassen will, damit diese ihm garantiert nicht untreu
werden könne. Dieses grausame Treiben geht solange gut, bis er an Scheherazade,
die Tochter des Wesirs, gerät, die dem Morden mit ihren Geschichten ein Ende
setzt.
Die passende Musik dazu lieferte
unter anderen Wolfgang Amadeus mit der Ouvertüre zur Oper "Die Entführung
aus dem Serail", die die Musiker unter der Leitung ihres neuen Dirigenten
Josef Heckle gekonnt aufführten. Die Klarinetten
intonieren das bekannte Anfangsthema, das mit viel Tschingderassabumm
vom Schlagwerk zu einer zündenden Melodie erweitert wird. Hier zeigte auch der
Musikernachwuchs an den Triangeln, dass er schon mit viel Ernst und Hingabe
ganz bei der Sache ist. Ebenso wie bei der Ouvertüre zur Oper "Der Kalif
von Bagdad" von Francois Boildieu, wo die lieben
Kleinen auf den Bänken an geeigneter Stelle gar heftig ins Schunkeln gerieten.
Ein gewaltiges Crescendo am Schluss leitete dann zum nächsten Programmpunkt
über, dem Auftritt von Kalifa, einer leibhaftigen
Bauchtänzerin, die mit anmutigem Schleiertanz und knisternder Erotik nicht nur
die Herren im Publikum fesselte. Für musikalische Glücksmomente sorgte dann
wieder die "Aladdin-Suite" aus der Feder von Carl Nielsen. Beim
"Orientalischen Festmarsch" im ersten Satz durfte auch hier ein
kleiner Mann an der großen Trommel zeigen, was in ihm steckt. Beim "Tanz
des Morgennebels" begann sogar Rauch aus der Wunderlampe über der Bühne zu
steigen – der Flaschengeist hatte offensichtlich alle Hände damit zu tun, das
schöne Wetter bis über das Konzertende hinaus zu halten. Viel Puste brauchten
auch die Herren im tiefen Blech beim abschließenden "Afrikanischen Negertanz".
Bauchtänzerin
Kalifa sorgte für glänzende Augen
Ganz zart und leise dagegen begann der "Egyptische
Marsch", mit dem Walzerkönig Johann Strauß unter Beweis stellte, dass er
auch in anderen musikalischen Gegenden zu Hause ist.
Auf einmal war Bewegung am Eingang. Die Samtvorhänge bauschten sich, und zum
Vorschein kam ein (fast) ausgewachsenes Kamel, dessen Beine in kurzen
Sommerhosen steckten … Die dazugehörigen Kameltreiber hatten noch allerlei
buntes Volk im Schlepptau, eine Prinzessin, die nebst ihrem Kalifen stilecht
auf einer Sänfte Einzug hielt, derweil sich vor der Bühne Schlangenbeschwörer,
Gaukler und Bettler tummelten.
Die Jugend des Muskivereins Esch-bach
hatte bei Albert Ketèlbeys szenischem Intermezzo
"Auf einem persischen Markt" ihren großen Auftritt und brachte den
Zuschauern das bunte Treiben auf einem orientalischen Basar so auch szenisch
nahe.
Mit der Filmmusik zu dem Disney-Film "Aladdin" zeigten die Musiker
unter dem ebenso lebendigen wie präzisen Dirigat von Josef Heckle,
dass sie in vielen musikalischen Stilrichtungen zu Hause sind, Einflüsse aus
Charleston und Swing waren in diesem Stilmix nicht zu überhören. Durch und
durch orientalisch dagegen der zweite Auftritt von Kalifa,
die in Fackelschein und Kerzenlicht erneut für leuchtende Augen sorgte und das
Publikum sogar zum Mitklatschen animieren konnte.
Zum Abschluss des Konzerts demonstrierten die Musiker mit der Filmmusik zu
"Lawrence von Arabien", welch gewaltige Klangfülle ein sinfonisches
Blasorchester entfalten kann und dabei dennoch von den zartesten Flötentönen
bis dröhnenden Paukenschlag alle dynamischen Abstufungen meisterhaft
beherrscht. Das begeisterte Publikum wurde noch mit zwei Zugaben belohnt, ehe
der Vorsitzende des Musikvereins, Harald Rombach, die zahlreichen Zuschauer
dazu einlud, die traumhafte Sommernacht bei Speis und Trank noch ein wenig im
Morgenland im Pfarrhof zu genießen.