Ausflug in geheimnisvolle Märchenwelt

Der Musikverein Eschbach bot mit seinem Sommerkonzert den Besuchern einen traumhaften Sommerabend.

                                http://ais.badische-zeitung.de/piece/02/d7/c8/de/47696094-p-590_450.jpg

Beim Sommerkonzert des MV Eschbach sorgte gar eine leibhaftige Bauchtänzerin für die richtige orientalische Stimmung. Foto: Hans Jürgen Kugler

STEGEN-ESCHBACH. Ein mit schweren Samtvorhängen verhüllter Eingang führt in eine geheimnisvolle Märchenwelt. Exotische Gerüche nach Weihrauch und Myrrhe ziehen durch die laue Sommernacht, goldene Sterne funkeln über den Türmen eines orientalischen Palastes. Der Boden ist mit roten Perserteppichen ausgelegt, Haremskissen laden zum Verweilen ein, einige Shishas stehen auch bereit, für eine entspannte Atmosphäre zu sorgen.

Der Musikverein Eschbach hat für sein Sommerkonzert den ohnehin schon zauberhaften Innenhof der St.-Jakobus-Pfarrei mit großem Aufwand und viel Liebe zum Detail (Deko: Melanie Gremmelsbacher) in einen Sultanspalast wie aus Tausendundeiner Nacht verwandelt. Der kleine Muck hat für diesen Abend sogar seine Zauberschuhe spendiert und Aladdin eine riesige Wunderlampe, die über der Bühne schwebte.

Moderator Jan Sauerland erzählt dem Publikum die Geschichte von König Schahriyâ, der durch die Untreue seiner Gattin so in Rage geriet, dass er befahl, ihm fortan jede Nacht eine Jungfrau zuzuführen, die er am nächsten Morgen töten lassen will, damit diese ihm garantiert nicht untreu werden könne. Dieses grausame Treiben geht solange gut, bis er an Scheherazade, die Tochter des Wesirs, gerät, die dem Morden mit ihren Geschichten ein Ende setzt.

Die passende Musik dazu lieferte unter anderen Wolfgang Amadeus mit der Ouvertüre zur Oper "Die Entführung aus dem Serail", die die Musiker unter der Leitung ihres neuen Dirigenten Josef Heckle gekonnt aufführten. Die Klarinetten intonieren das bekannte Anfangsthema, das mit viel Tschingderassabumm vom Schlagwerk zu einer zündenden Melodie erweitert wird. Hier zeigte auch der Musikernachwuchs an den Triangeln, dass er schon mit viel Ernst und Hingabe ganz bei der Sache ist. Ebenso wie bei der Ouvertüre zur Oper "Der Kalif von Bagdad" von Francois Boildieu, wo die lieben Kleinen auf den Bänken an geeigneter Stelle gar heftig ins Schunkeln gerieten.

Ein gewaltiges Crescendo am Schluss leitete dann zum nächsten Programmpunkt über, dem Auftritt von Kalifa, einer leibhaftigen Bauchtänzerin, die mit anmutigem Schleiertanz und knisternder Erotik nicht nur die Herren im Publikum fesselte. Für musikalische Glücksmomente sorgte dann wieder die "Aladdin-Suite" aus der Feder von Carl Nielsen. Beim "Orientalischen Festmarsch" im ersten Satz durfte auch hier ein kleiner Mann an der großen Trommel zeigen, was in ihm steckt. Beim "Tanz des Morgennebels" begann sogar Rauch aus der Wunderlampe über der Bühne zu steigen – der Flaschengeist hatte offensichtlich alle Hände damit zu tun, das schöne Wetter bis über das Konzertende hinaus zu halten. Viel Puste brauchten auch die Herren im tiefen Blech beim abschließenden "Afrikanischen Negertanz".

Bauchtänzerin Kalifa sorgte für glänzende Augen


Ganz zart und leise dagegen begann der "Egyptische Marsch", mit dem Walzerkönig Johann Strauß unter Beweis stellte, dass er auch in anderen musikalischen Gegenden zu Hause ist.

Auf einmal war Bewegung am Eingang. Die Samtvorhänge bauschten sich, und zum Vorschein kam ein (fast) ausgewachsenes Kamel, dessen Beine in kurzen Sommerhosen steckten … Die dazugehörigen Kameltreiber hatten noch allerlei buntes Volk im Schlepptau, eine Prinzessin, die nebst ihrem Kalifen stilecht auf einer Sänfte Einzug hielt, derweil sich vor der Bühne Schlangenbeschwörer, Gaukler und Bettler tummelten.

Die Jugend des Muskivereins Esch-bach hatte bei Albert Ketèlbeys szenischem Intermezzo "Auf einem persischen Markt" ihren großen Auftritt und brachte den Zuschauern das bunte Treiben auf einem orientalischen Basar so auch szenisch nahe.

Mit der Filmmusik zu dem Disney-Film "Aladdin" zeigten die Musiker unter dem ebenso lebendigen wie präzisen Dirigat von Josef Heckle, dass sie in vielen musikalischen Stilrichtungen zu Hause sind, Einflüsse aus Charleston und Swing waren in diesem Stilmix nicht zu überhören. Durch und durch orientalisch dagegen der zweite Auftritt von Kalifa, die in Fackelschein und Kerzenlicht erneut für leuchtende Augen sorgte und das Publikum sogar zum Mitklatschen animieren konnte.

Zum Abschluss des Konzerts demonstrierten die Musiker mit der Filmmusik zu "Lawrence von Arabien", welch gewaltige Klangfülle ein sinfonisches Blasorchester entfalten kann und dabei dennoch von den zartesten Flötentönen bis dröhnenden Paukenschlag alle dynamischen Abstufungen meisterhaft beherrscht. Das begeisterte Publikum wurde noch mit zwei Zugaben belohnt, ehe der Vorsitzende des Musikvereins, Harald Rombach, die zahlreichen Zuschauer dazu einlud, die traumhafte Sommernacht bei Speis und Trank noch ein wenig im Morgenland im Pfarrhof zu genießen.